Europäische Arbeitgeber suchen vergeblich Elektriker und Mechaniker

Gute Aussichten für alle, die eine Ausbildung als Schweißer, Mechaniker oder Elektriker absolviert haben: Sowohl in Deutschland als auch in Europa, dem Nahen Osten und Afrika (EMEA) suchen viele Firmen diese qualifizierten Fachkräfte händeringend. Überall stehen Jobs wie Industriemechaniker, Metallbauer und Elektrotechniker mit weitem Abstand ganz oben auf der Liste der am schwersten zu besetzenden Positionen. Das ist ein Ergebnis der Studie "Fachkräftemangel 2019" im Auftrag der ManpowerGroup mit fast 40.000 Teilnehmern aus 34 Ländern.

 

21 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland beklagen, dass sie ihre offenen Stellen für handwerklich qualifizierte Fachkräfte kaum besetzen können. Zum Vergleich: Nur vier Prozent hierzulande suchen vergeblich Fahrer oder Ingenieure. Deutschland steht aber nicht alleine mit dem Problem da. Auch im ganzen EMEA-Raum suchen 17 Prozent der Arbeitgeber oft vergeblich Mechaniker und Co., global haben 13 Prozent Schwierigkeiten, diese Stellen zu besetzen.

"Das Handwerk hat immer größere Schwierigkeiten, Nachwuchskräfte zu finden. Das liegt unter anderem auch an der Akademisierung unserer Arbeitswelt. In Europa haben bereits 40,7 Prozent der 30- bis 34-Jährigen einen Hochschulabschluss," sagt Angela Olsen, Vorsitzende der Geschäftsführung der ManpowerGroup. "Außerdem trauen sich weiterhin zu wenige Frauen und Mädchen an die sogenannten MINT-Berufe."

MINT-Fachkräfte sind besonders gefragt

Experten aus dem Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) stehen besonders oft in der Top-10-Liste der am dringendsten benötigten Arbeitnehmer im EMEA-Raum. Nach den Elektrikern und Mechanikern stehen an zweiter Stelle technisch versierte Fahrer für Baumaschinen und Lkw, auf Platz vier Techniker und Qualitätskontrolleure, gefolgt von Ingenieuren auf Rang fünf. Dahinter kommen mathematisch begabte Finanzprofis an siebter Stelle und auf Platz zehn IT-Personal wie Informatiker. Frauen ergreifen diese Berufe bislang nur selten. Das liegt auch an traditionellen Rollenmodellen, die Mädchen schon früh den Eindruck vermitteln, Frauen seien für technische Jobs nicht so geeignet wie Männer.

Abgesehen davon sind nach Angaben der Personaler auch einige Nicht-MINT-Jobs schwer zu besetzen. Vertriebsprofis, Marketingfachleute, Pflegekräfte, Ärzte, Restaurant- und Hotelmitarbeiter haben demnach gute Karten bei der Arbeitsplatzsuche in Europa (siehe Grafik).

Griechenland sucht dringender Fachkräfte als Großbritannien

Insgesamt klagen 53 Prozent der befragten 13.000 Arbeitgeber aus dem EMEA-Gebiet über Schwierigkeiten bei der Besetzung von Stellen aufgrund des Mangels an qualifizierten Talenten. Im Vorjahr sagten dies nur 43 Prozent. Besonders gravierend ist der Mangel in Rumänien, Griechenland, Kroatien und Ungarn. Vergleichsweise wenige Probleme haben Firmen in Großbritannien, Irland und Norwegen. Diese Länder profitieren stark von der Freizügigkeit und Zuwanderung. Nach Großbritannien kamen beispielsweise viele handwerklich und technisch begabte Inder und Pakistani. Durch den Brexit könnte sich dieser Vorteil jedoch auflösen.

Top 10 der am schwierigsten zu besetzenden Stellen in EMEA:

  1. Qualifizierte Berufe wie Elektriker
  2. Fahrer für Lkw, Baumaschinen etc.
  3. Vertrieb & Marketing
  4. Techniker und Qualitätskontrolleure
  5. Ingenieure
  6. Arbeiter und Hilfsarbeiter
  7. Rechnungswesen & Finanzen
  8. Medizinische Fachkräfte
  9. Restaurant- und Hotelmitarbeiter
  10. IT-Personal

Über die Studie

Die ManpowerGroup-Studie "Fachkräftemangel" wird seit 2006 weltweit durchgeführt (international unter dem Titel "Talent Shortage Survey"). Mit 44.000 Unternehmen aus 43 Ländern zeigt die Studie, die vom Marktforschungsinstitut Infocorp durchgeführt wurde, welche Stellen weltweit schwer zu besetzen sind. In Deutschland wurden rund 1.000 Unternehmen befragt, die einen Querschnitt der gesamtdeutschen Wirtschaft darstellen.

Mehr Informationen zur Studie erhalten Sie unter: https://www.manpowergroup.de/neuigkeiten/studien-und-research/studie-fachkraeftemangel/