Einstellungsabsicht deutscher Arbeitgeber erhält einen Dämpfer

Wie steht es um die Jobaussichten bei deutschen Unternehmen in den kommenden drei Monaten? Sind die Firmen aufgrund der Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA oder den sich eintrübenden Konjunkturaussichten vorsichtig? Oder bleiben sie davon unberührt und suchen trotzdem verstärkt Arbeitskräfte? Die ManpowerGroup hat sich im Rahmen des quartalsweisen Arbeitsmarktbarometers MEOS wieder bei deutschen Arbeitgebern zu ihrer Einstellungsbereitschaft umgehört. Ihr seit sechs Quartalen anhaltender Optimismus schwächt sich zum ersten Mal ab. Der Netto-Beschäftigungsausblick sank für das dritte Quartal 2019 um vier Prozentpunkte.

 

 

Konkret plant mit 89 Prozent die große Mehrheit der Arbeitgeber in Deutschland, zwischen Juli und September 2019 die Belegschaft stabil zu halten. 8 Prozent wollen zusätzliche Arbeitskräfte einstellen. 2 Prozent erwarten, dass sie in den kommenden drei Monaten weniger Mitarbeiter beschäftigen. Aus diesen Ergebnissen resultiert der sogenannte Netto-Beschäftigungsausblick, der - saisonbereinigt - für das dritte Quartal 2019 bei +5 Prozent liegt. Ein positiver Netto-Beschäftigungsausblick bedeutet also, dass über alle Branchen und Unternehmensgrößen hinweg mehr Arbeitgeber neue Stellen schaffen als abbauen wollen. Für das Arbeitsmarktbarometer MEOS befragt die ManpowerGroup jedes Quartal etwas mehr als 1.000 Arbeitgeber in Deutschland nach ihren Erwartungen zur Beschäftigungslage in ihrem Unternehmen für die jeweils nächsten drei Monate.

 

 

Abwartende Haltung der Unternehmen

Die Zahlen aus dem Arbeitsmarktbarometer zeigen: Die Arbeitgeber sind vorsichtig, aber nicht pessimistisch. Die Firmen in Deutschland warten zunächst einmal die nationalen wie internationalen Entwicklungen ab. Die Arbeitgeber haben ihr Personal in den vergangenen Jahren bereits aufgestockt, jetzt halten sie ihre Belegschaft fast alle stabil. Freiwerdende Stellen werden nachbesetzt und Fachkräfte für viele Bereiche weiterhin dringend gesucht.

 

Gute Aussichten für Bewerber in Großunternehmen

Bewerber, die auf namhafte Konzerne setzen, haben auch bei dieser leicht eingetrübten Konjunktur noch gute Chancen. 35 Prozent der großen Unternehmen planen noch bis September zusätzliche Einstellungen, weitere 60 Prozent möchten zumindest die Belegschaft stabil halten. Der Netto-Beschäftigungsausblick für diese Firmen beträgt im dritten Quartal +31 Prozent – und damit zwei Prozentpunkte mehr als im zweiten Quartal. „Große Unternehmen haben weiterhin hohen Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften“, sagt Frits Scholte, Vorsitzender der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland. „Wenn die Aufträge weniger werden, sparen viele von ihnen zuerst bei den Dienstleistern und Zulieferern. Das zeigt sich auch bei dem Blick auf die Branchenentwicklung. Vor allem Firmendienstleister, Logistiker und Kommunikationsfirmen suchen im dritten Quartal dieses Jahres weniger Mitarbeiter.“

 

Fachkräftebedarf bei Versorgern und sozialen Einrichtungen

Ein genauerer Blick auf die einzelnen Branchen zeigt, dass die Logistiker zu den größten Verlierern gehören. Nachdem sie einen regelrechten Höhenflug hinter sich haben, mussten Firmen aus dem Bereich Transport, Lagerung und Kommunikation im Vergleich zum Vorquartal Einbußen in Höhe von 13 Prozentpunkten hinnehmen. Auch die Bauindustrie blickt weniger optimistisch auf das dritte Quartal als in den vorherigen Studien. Diese Branchen befinden sich jedoch hinsichtlich der Personaldecke bereits auf einem hohen Niveau. Handel und Verarbeitende Industrie - wie besonders die Automobilindustrie - gehören zu den abwartenden Arbeitgebern, die erst einmal die aktuellen Herausforderungen angehen, bevor sie größere Einstellungspläne schmieden.

 

In den Personalabteilungen von Versorgern herrscht jedoch Hochbetrieb. Die Anbieter von Gas, Strom und Wasser haben mit +11 Prozent den positivsten Beschäftigungsausblick. Besonders Fachkräfte im Bereich Digitalisierung werden gesucht. An der Schwelle zum demografischen Wandel ist auch der Bedarf an Altenpflegern, Lehrern und Erziehern groß - daher weisen auch Unternehmen aus der Branche öffentliche Wirtschaft und Soziales einen relativ freundlichen Beschäftigungsausblick auf.

 

 

München stabiler als Berlin

Regional zeigt sich die Krisenstabilität von Arbeitgebern in München. Die bayrische Landeshauptstadt verzeichnet die größte Einstellungsbereitschaft aller Regionen - dort wollen 15 Prozent der Firmen neue Mitarbeiter anwerben. Die ausgeschriebenen Stellen in Berlin dürften sich dagegen verringern, denn im Vergleich zum zweiten Quartal 2019 und zum dritten Quartal 2018 sinkt der Beschäftigungsausblick dort. Doch auch für die Hauptstadt gilt: Es handelt sich um keine Entlassungswellen, sondern nur ein schwächeres Wachstum.

 

Weltweit sind überwiegend Einstellungen geplant

Der Blick über Deutschland hinaus zeigt, dass global mehrheitlich eine positive Einstellungsbereitschaft bei den Unternehmen vorherrscht. Die ManpowerGroup Studie zeigt für das dritte Quartal 2019 in 43 von 44 untersuchten Ländern und Territorien einen erwarteten Beschäftigungszuwachs in der Periode bis Ende September. Bemerkenswert optimistisch sind vor allem Firmen in Japan, Kroatien, Taiwan, Griechenland, Slowenien und den USA.

 

In der EMEA-Region, also in Europa, dem Nahen Osten und Afrika, ist der Beschäftigungsausblick für das dritte Quartal 2019 lediglich in einem der 26 Länder negativ. Der Ausblick für Slowenien nahm im Vergleich zum Vorquartal um elf Prozentpunkte zu und liegt nun bei +20 Prozent. Zu den Gewinnern gehören aber auch Griechenland (+20 Prozent) und Rumänien (+14 Prozent). Bemerkenswert ist, dass Großbritannien trotz Brexit-Chaos relativ stabil dasteht. Der Beschäftigungsausblick liegt für das dritte Quartal 2019 bei +4 Prozent. Seit Anfang 2013 liegt der Wert fast durchgehend im Bereich von +4 bis +7 Prozent, ohne große Ausreißer.

 

Über das ManpowerGroup Arbeitsmarktbarometer

Die ManpowerGroup veröffentlicht jedes Quartal das ManpowerGroup Arbeitsmarktbarometer, für das weltweit mehr als 60.000 Arbeitgeber in 44 Ländern zu ihren Einstellungs- bzw. Entlassungsplänen im jeweils kommenden Quartal befragt werden. Die erhobenen Daten werden von jahreszeitlichen Schwankungen befreit. Mit dem internationalen Titel "ManpowerGroup Employment Outlook Survey" ist das Arbeitsmarktbarometer die am längsten laufende weltweite Untersuchung zur Einschätzung der zukünftigen Arbeitsmarktentwicklung.

 

Mehr Informationen und ausführlichere Ergebnisse zum aktuellen Arbeitsmarktbarometer finden Sie auch unter https://www.manpowergroup.de/neuigkeiten/studien-und-research/arbeitsmarktbarometer/